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Und
wieder einmal war die Stunde der KGL gekommen. Mit leuchtenden Augen berichtete das Offizierscorps von unserem Auftrag: Wälder besetzen, französische Vorhut aufhalten und die rechte Flanke der Armee sichern. Schon
bald begannen die Schützen der KGL den Wald auszuspähen und sie sahen was sie erwartete. Zäune, dichtes Unterholz, kaum begehbare schmale Wege und eine sehr kurze Sicht- und Hörweite zu den Nebenleuten. Kurz: Genau
die richtige Herausforderung für diesen Tag. Exakt wurde die aufgelöste Linie im Wald gebildet mit einem Abstand von 10 Metern zwischen den Rotten. Mögliche Hindernisse beseitigt, Rückzugslinien festgelegt und
Vorstöße auf den Feind geprobt. Und dann begann das Warten auf die Franzosen in der Deckung der Bäume…
In
den Lichtungen und in der Stille des Waldes tauchten unerwartet erste französische Kavalleristen als Vorhut auf, die sichtlich sorglos die Wege entlang trabten. Das macht man in der Gegenwart der KGL nicht
ungestraft! Und als diese nah genug rangekommen waren liefen sie in ein Volleyfeuer unserer, sich aus dem Unterholz erhebenden Schützen. Der Tanz war eröffnet! Diese kühne Tat brachte die Mannen Napoleons nicht nur
in Unordnung sondern führte auch noch zu wilden Reiterattacken auf einzelne Rotten der KGL. Immer wieder sah man erst kurz vorher in der inzwischen von Pulverdampf geschwängerten Luft die Kavallerie aus dem Nebel
auftauchen und uns attackieren. Gleichzeitig zerschnitten einzelne Sonnenstrahlen die gespenstische Atmosphäre, die viele an die Waldgefechte des Kinofilms „Last Samurai“ mit Tom Cruise erinnerten. Unvergessen
bleibt die Tat des Schützen Hoffmann, der sich, als ein Kürassier mit gezogenen Säbel auf Major Lange zuritt, fast vor das mit den Vorderbeinen aufsteigende Pferd warf und es mit Gebrüll und einem Schuß vertrieb.
Inzwischen
rückten die ersten französischen leichten Verbände im Wald gegen unsere Linien vor. Ein wildes unerbittliches Feuergefecht entbrannte, wobei bei Beteiligten beider Seiten mangels Sicht ein eher intuitives Verhalten
zu beobachten war. Gut das ein Schütze der KGL das Jägerblut in sich trägt und auch ohne Sicht genau weiß, was seine Kameraden machen ! Im Gegensatz dazu stürmten die Schergen des Kaisers immer wieder blind durch
das Dickicht und fanden ihr Ende vor den Läufen unserer Bakers. Das meinten auch abgesessene Dragoner auf der linken Flanke, die uns mit heftigem Feuer in Atem hielten. „Holt die da raus“, brüllte der Major durch
den halben Wald und seine Schützen taten dies. In einer kurzen Feuerpause stürmte eine Abordnung die Stellungen der Dragoner und nahm 2 Getreue des Kaisers gefangen.
Aber
Napoleon war gerissen. Was wie eine Vorhut aussah, entschleierte sich im Pulverdampf des Waldes als gesamte französische Armee, die nun auf unsere Stellungen vorrückte. Auf der äußersten rechten Flanke bliesen
inzwischen unterstützende preussische Einheiten zum Rückzug. Immer mehr blaue Verbände rückten mit unnachgiebiger Härte und vereinzelten Nahkämpfen vor. Ein dreimaliger Pfiff des Majors verriet allen Schützen der
KGL den geordneten Rückzug anzutreten, wobei gleichzeitig alle Hindernisse wieder aufgebaut wurden. In der Deckung eines Feldes konnten wir nun ein munteres Zielschießen auf die am Waldesrand auftauchenden Franzosen
veranstalten.
Zu
unserer Linken lieferten sich parallel alliierte Verbände aus England, Schottland, Preussen, Russland, Belgien und Holland Gefechte mit den Kaisertreuen. Die Übermacht war jedoch so groß, dass uns nur ein taktischer
Rückzug in das Gehöft Hougoumont blieb, wo die Franzosen schon bald gegen die Mauern anliefen. Welle für Welle der feindlichen Infantrie warf sich auf die Steinwälle, aber sie brachen nicht. Einen kurzen Augenblick
der französischen Erschöpfung nutzen die Alliierten und wagten den Ausfall. In der Folgezeit kam es auf dem Schlachtfeld zu erbitterten Artillerieduellen, massiven Kavallerieattacken und Infanteriescharmützeln.
Ein
meisterhaftes Manöver von Major Lange brachte die Linie der KGL in den Rücken einer französischen Artilleriestellung. Mit lauten „Mann tau, Mann tau !“ rückte die KGL gegen die verdutzen Kanoniere vor, die sich nach
kurzem Handgemenge angesichts der Übermacht ergaben. Völlig motiviert und enthusiastisch zugleich stürmten die Schützen voran. In diesem Augenblick hatte auch eine weitere feindliche Kanone keine echte Chance, die
trotz Infanterieunterstützung genommen wurde. Es folgten weitere Manöver auf dem Schlachtfeld, die besonders der Unterstützung der befreundeten Verbände galten. Als bereits die ersten Franzosen flüchteten griff die
KGL mit entschlossenen Herzen eine dritte Artilleriestellung auf einem Hügel an, die nach erbitterten Widerstand in die Hände der Hannoveraner fiel. Auf dem Gefechtsfeld war nun eine KGL-Spur der Verwüstung zu sehen
von gestürmten Kanonen, gefallenen Kanonieren und fliehenden französischen Brigaden. Noch bis spät in die Nacht besangen wir am Lagerfeuer diese Heldentaten und erwarteten frohen Mutes den nächsten Tag.
Am
Sonntag begannen die Gefechte wie im Vorjahr in Plancenoit. Der geneigte Leser sei hier auf den Vorjahresbericht von 2005 verwiesen, da die Eindrücke dieses Szenarios dort detailliert beschrieben wurden. Aber doch
war es etwas anderes. Kein Franzose konnte zum Beginn der Scharmützel ahnen, daß zwei Schützen der KGL für einen besonderen Ausklang sorgen würden.
Den
ganzen Tag hatten die Gefechte getobt und unsere Einheit konnte sich mehrfach auszeichnen. So standen die Mannen des Majors im letzten Abschnitt der Schlacht auf einem kleinen Hügel und erblickten in einer Senke die
Elite Napoleons, die Treusten der Treuen, der Stolz der französischen Armee: die ‘Alte Garde’. Diese deckte auf der rechten Flanke, etwas deplaziert von der Generalität, den Rückzug und beobachtete gerade wie die
Highländer die französischen Kanonen (eine harte Veranstaltung für diese Gruppen…) den Berg heraufjagten. „Wollt ihr noch mal ?“ fragte Major Lange seine tapferen aber inzwischen erschöpften und hungrigen Soldaten.
„Ja, Hunger auf Franzosen haben wir immer“ schallte ihm eine einzelne aber wohl repräsentative Stimme entgegen. Die Worte waren kaum gesprochen, da stürmte die leichte Brigade nach kurzem Volleyfeuer den Hügel hinab
und stürzte sich in den Nahkampf mit der französischen Elite. Zwei Schützen der KGL war aber nicht entgangen, das viel zu weit von ihrer Einheit entfernt, ein nur dreiköpfiges Gardekommando den goldenen Adler
bewachte, das Symbol jeder Einheit, das auf der Regimentsstandarte wacht und von Normalsterblichen noch nicht einmal angeschaut, geschweige denn berührt werden darf. Vom Feind ganz zu schweigen…
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