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Viele unserer jungen Rekruten und Damen nutzten den Freitag, um das Schlachtfeld, das Besucherzentrum oder den Löwenhügel ausgiebig zu erkunden und
Waterloo-Feeling aufzunehmen und bereits jetzt viele Kontakte zu Freunden auf beiden Seiten der Armeen zu knüpfen. Gleichzeitig wurde an der
Ausrüstung gebastelt und die Dienstgrade und erfahrenen Soldaten gaben den Rekruten wertvolle Tipps. In den Abendstunden marschierte ein Stoßtrupp zum Gehöft La Haye Sainte. Der Ort, der für unsere Einheit bei der Schlacht zum Heldengrab werden sollte - aber davon wußten die jungen Männer vor 190. Jahren in ihrer letzten Nacht zu diesem Zeitpunkt noch nichts. An sie wurde in einer kleinen Zeremonie gedacht und 5 Mitglieder unserer Gruppe übernachteten in Originalausrüstung unter freiem Sternenhimmel am Originalort.
Samstag morgen war alles anders. In allen Gruppen machte sich gespannte Nervosität breit, denn heute fanden die Manöver der
britischen Armee statt. Die Zeit der Napoleonic kehrte in die Lager ein und unsere Männer und Frauen warten auf das Unvermeidliche. So brach die Armee mit Infanterie, Kavallerie und Artillerie mit voller Ausrüstung und mit großem Troß in mörderischer Hitze zu einem Marsch in Richtung "Trainingsfeld" auf, daß dummerweise aus organisatorischen Gründen neben den französischen Lagern auf der anderen Seite des Schlachtfeldes lag. Kurz gesagt, am Abend wußte jede Einheit wie gut oder schlecht sie wirklich war - und warum volle Wasserflaschen wichtig sind. Und hier begannen der Herr Major und unser Sergeant zu ahnen: "Diese Jungs sind wirklich gut !" Einige nutzten die Nacht noch um am Fackelmarsch auf den Löwenhügel teilzunehmen. Ein eindrucksvolles Bild, das in allen belgischen Zeitungen zu sehen war.
Sonntag, der Tag der Entscheidung. Es gab kein zurück mehr. 30 Soldaten des 1. leichten und 2.leichten Bataillon der King’s
German Legion marschierten mit Ihrem Anhang in der Speerspitze der alliierten Brigade auf das Schlachtfeld. Ob einige von ihnen noch die Worte unseres Predigers im beeindruckenden Feldgottesdienstes im Ohr hatten ? Oder war es die Nervosität, denn für jeden Dritten in den Reihen war es die erste Schlacht ? Beim Donnern der Kanonen, beim Geruch des Pulverdampfes war alles vergessen. Schon früh warfen die Generäle auf den Marktplatz von Plancenoit, wo die Gefechte starteten, unsere Sektionen nach vorne. "Laden, Fertig, Tan, Feuer", unser Sergeant war in seinem Element und die Salven prasselten nur so auf die französischen Gardejäger ein. Die Reihen hielten, aber als die Preussen die Kirche nahmen, rückten die Franzosen im Nebel ab.
Weiter ging es auf den ersten großen Feld. Die
Artillerie startete von beiden Seiten ein beeindruckendes Angriffsfeuer, deren Getöse man bis nach Brüssel hören konnte. Und die Zeit der Kavallerie war gekommen...Französische Kürassiere, die mit ihren Pferden gegen feuernde (!) Kanonen anritten, britische Husaren, die wie Butter durch die Linien des Kaisers gingen und zu spontanen Fluchtaktionen führten. Da wurde das Hobby auf allerhöchstem Niveau gezeigt und man konnte vom Zuschauen fast die eigenen Aufgaben vergessen. Daran erinnerten schmerzlich feindliche Reiter die mitten im Gewühl die geöffnete Ordnung sprengten und uns zu spontanen "wilden Schützenrudeln" zwangen. Aber sofort wurden die Rotten wieder gebildet und wir gingen zum Gegenangriff über. Die Rifles schossen, die Rohre glühten, der Schweiß floß, aber wir hielten die Reihen zusammen. Auch die wütenden Bayonettangriffe der Franzosen wurden abgewehrt und im Nahkampf blickte so mancher seinen "ersten" Franzosen in die Augen...
Auf dem zweiten Feld ging es nach einer kurzen
Wasserpause weiter. Die französische Armee hatte ihr letztes Karree gebildet. Was für ein Anblick ! Das wurde nur noch übertroffen von einer einzigen Linie aller allierter Streitkräfte, die zum Angriff überging. Divisionsfeuer ! Das hatte Europa noch nicht gesehen, gleichzeitiges Feuer aus 1000 Musketen und Rifles gegen die Getreuen des Kaisers. Als sich der "Fog of War" lichtete machten wir am äußerten rechten Fügel der Division einen Schwenk und griffen das letzte Karree von der Seite an. Beeindruckend wie die jungen Rekruten der KGL ihren Mann standen und kämpften ! Schließlich kapitulierte die französische Armee, geschunden von Hitze, Pulverdampf und hannövischer Angriffslust. Die ganze Armee ? Nein ! Vor unseren Augen weigerte sich ein Haufen "italienischer" Franzosen die Waffen niederzulegen. Aber wir hatten kein Pulver mehr...und so blieben uns nur die Bayonette...
Es bleibt die Erinnerungen an eine tolle
Veranstaltung mit vielen neuen Eindrücken und Bekanntschaften. Und viele, die ihr erstes Spektakel genossen hatten, wußten, daß sie wieder kommen würden - zu einem Hobby, daß neben Lagerfeuerromantik und gelebter Geschichte viele neue Freunde auf der ganzen Welt schafft.
Aber dieses Jahr stehen auch noch andere
interessante Veranstaltungen an, zu denen sich gerne Interessenten bei uns melden können, um mal "reinzuriechen". Der grüne Rock des Königs liegt schon bereit und die Knöpfe sind auf Hochglanz poliert. Egal, ob aus Berlin, Braunschweig, Hannover, Osnabrück, Bielefeld, Essen, Köln, Aachen oder Heidelberg - die Mitglieder der King’s German Legion kommen von Überall her und freuen sich über jede Verstärkung.
Der WDR hat unter der "Hier und Heute"-Serie berichtet, wo wir mehrmals zu sehen waren. Und Fotos haben wir unzählige...
Es lebe der König !
Schütze Walther
Recruiting Office
2.LB KGL
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